Erfolgreicher NMI-Workshop „Biologisierung der Medizintechnik"

Die im dritten Jahr in Folge steigenden Teilnehmerzahlen der jungen Veranstaltungsreihe belegen, dass das NMI mit seinem Schwerpunktthema „Biologisierung der Medizintechnik“ den Nerv der Zeit trifft. Prof. Dr. Burkhard Schlosshauer vom NMI führte durch die Veranstaltung und betonte bei seiner Begrüßung, dass die Biologisierung ein wichtiger Schritt sei, um der Medizintechnik einen Zusatznutzen zu verschaffen. NMI-Leiter Prof. Dr. Hugo Hämmerle griff das in seiner Einführung auf: „ Die Biologisierung der Medizintechnik spielt in praktisch allen Produktgruppen der Medizin heute eine Rolle, bei den Therapiesystemen ebenso wie in der Diagnostik“, sagte Hämmerle und nannte als Beispiele bildgebende Systeme, die textile Wundversorgung und das Schneiden und Nähen ohne Skalpell, Nadel und Faden.

Immer kleiner, immer mehr „Bio“: Wie gut sich die Trends zur Miniaturisierung und zur Biologisierung der Medizintechnik ergänzen, um innovative Implantate zu ermöglichen, war ein roter Faden, der sich durch die Vorträge des Workshops zog. Nanopartikel und mikro- bzw. nanostrukturierte Materialien bildeten den ersten Schwerpunkt des Tages in der Session I „Nano in der Medizintechnik“. Es wurde gezeigt, wie Nanomaterialien hergestellt und bearbeitet werden und wo sie zum Einsatz kommen: beispielsweise in der Chirurgie, zur Wundabdeckung und bei Implantaten, die im Körper des Patienten aus Nano-Reservoirs Wirkstoffe freisetzen sollen.

„Biomaterialien“ war der Titel von Session II und damit das zweite Schwerpunktthema. Zwei Vorträge drehten sich allein darum, wie Biomaterialien das Nachwachsen von verletzten Nerven unterstützen können. Vorgestellt wurde Spinnenseide als Leitstruktur für den Nerv und innovative Nukleinsäure-Technologien, mit deren Hilfe die natürliche Blockade des Nervenwachstums örtlich und zeitlich begrenzt aufgehoben werden kann. Gezeigt wurde auch, wie Nanozellulose als chirurgisches Implantat eingesetzt werden kann, z. B. röhrenförmig als Gefäßersatz und als flächiges Implantat zur Heilung von Leisten- und Bauchwandbrüchen. Wenn Implantate in den Körper eingeführt werden, besteht prinzipiell die Gefahr von Infektionen, Verkapselungen und Abstoßungsreaktionen. Wie dies durch Verwendung spezieller Biomaterialien und Sterilisierungsmethoden verhindert werden kann, zeigten weitere Vorträge.

In Session III ging es um die „Zulassung“ und damit um eine der größten Hürden für innovative Methoden und Produkte in der Medizin. Was die gesetzlichen Regularien rund um die Zulassung für Hersteller und Anwender bereit halten, wurde aus Sicht mehrerer Unternehmen erläutert. Die anschließende lebhafte Diskussion mit den Workshop-Teilnehmern zeigte, wie sehr die Zulassungshürden die Branchen Biotechnologie und Medizintechnik bewegen – das Thema wird auch die Teilnehmer des nächsten NMI-Workshops mit Sicherheit beschäftigen.

Die Diskussionen setzten sich zum Ausklang im Foyer fort. Parallel dazu bekamen alle Interessierten die Möglichkeit, das breite Leistungsspektrum des NMI bei einem Rundgang durch das Institut kennenzulernen – und einen Eindruck von Hightech-Innovationen „Made in Reutlingen“ zu gewinnen.

Quelle: NMI Reutlingen